Assoziatives zum Wochenende, Teil 2.

Die Idee vom Assoziativen zum Wochenende gefaellt mir noch immer sehr gut. Deswegen wird da heute auch nachgelegt. Ein Blog, der Aehnliches bietet und auch stueckweit Ideengeber hierfuer war ist Odradek.
Klaus Theweleit schrieb in seinem Buch Deutschlandfilme zu dem Filmen von Godard einmal, dass sie entweder zuenden oder eben nicht. Und so sind das hier zwar auch nur aneinandergereihte Zitate, aber vielleicht koennen sie ja doch etwas anstossen. Here we go!
Achja, der Aufhaenger ist Denken. Erinnert mich gerade sehr an die letzte Folge von Frauentausch auf RTL2 und eine Person, die sehr viel Wert auf Bildung legte und ihre Tauschfamilie dazu aufforderte mehr zu lesen, z.B. ein sehr gutes Buch, in dem Sie oefter liest: Zitate fuer jede Gelegenheit. Naechste Woche gibt es dann wieder Zitate mit mehr Substanz, zum Thema Familie.

Ein Buerger ist ein Mensch, der anders denkt als ich.

(Jules Renard, Der Schmarotzer)

Der wahre Strukturalist, das heisst: der Mensch, der nur noch Ausdrucksmittel ist vorgegebener und laengst versteinerter Denkstrukturen, das warst du selbst.

(Jean Améry, Unmeisterliche Wanderjahre, Werke 2, S.346)

Ich habe viel Einzelnes gelernt, aber zu wenig gedacht.

(Arno Schmidt, Alexander oder was ist die Wahrheit, S.75)

Weil man arm ist, ist man noch lange nicht gut und klug.

(Erich Kaestner, Fabian)

Geburtstag.

Jedes Jahr aufs NEUE!
Geburtstag

Zoe. R. Cassavetes

Broken English.
[2007 / Regie: Zoe R. Cassavetes]

Zoe R. Cassavetes, another Cassavetes-Sprout with a mediocre to bad debut.
Parker Posey als leicht neurotische End 20er/Anfang 30erin, die mit dem Problem des Individualisierungsdrucks unserer Gesellschaft bei der Suche nach DEM oder einfach nur EINEM Mann zu kaempfen hat. Late-Capital-Krankheit: Anxiety Attacks combined with the fear of ending up lonesome in a world that forces us into egocentrism. Gena Rowlands als Mama der alten Schule, die ihre Tochter unter die Haube gebracht haben will puts further pressure on her. In addition Parker spends lotsa time with her best friend & her lover, a married couple – it all adds up & is way too overwhelming – pills!
Then she meets this guy and though she can‘t get rid of all that shit there’s a chance she‘ll find love and manage to get along with that boy. Open ending with an optimistic outlook on at least this microcosm.

This film is all about Parker Posey, she’s the film and is indeed kinda fascinating, but horrible overacting as well. Still i somewhat like Broken English, the feeling of it. It picks up some ideas of daddies cinéma verité, the mix of everday feeling & strange stage-like acting. The camera work incoperates a lot of this every day feeling/the imagination this scene is real and can happen next door – no monster, no hyper-dramatic plot. That makes this film kinda bearable!

IMDB

Assoziatives zum Wochenende.

Angeregt durch diesen zufaellig gefundenen Blogeintrag sind mir einige interessante Stellen in Buechern von Jean Améry, Volkmar Sigusch und Roswitha Scholz zu Theorie & Widerspruch eingefallen. So wie Luhmanns Zettelkasten u.a. auch nach dem Prinzip Zufall funktionierte, ist das hier alles sehr assoziativ.

Ich habe keine Begabung zur Systematik und wahrscheinlich auch wenig Achtung vor ihr: man kann, ich habe es oftmals in der Geistesgeschichte beobachtet, Strukturen errichten und die Wirklichkeit ihnen einpassen – so enstehen gewaltige, aber manchmal gewalttaetige Begriffsgebaeude. Die Ergebnisse stehen zumeist in keinem Verhaeltnis zur Anstrengung der Abstraktion. Dergleichen konnte meine Sache nicht sein, ich war ja und bin allerwegen der eigenen Idee viel zu wenig gewiss, als dass ich sie mit Aplomb methodisch wuerde ausarbeiten koennen wollen. Kaum ist ein Gedanke gefasst, stellt auch schon der Widerspruch sich ein, den ich nicht ersticke, sondern, im Gegenteil, hege, so lange bis er mir die erlangte Idee umgebracht hat. (Jean Améry, Lefeu, S.174)

Jedes geschlossene theoretische Corpus tendiert zum Terror. (Volkmar Sigusch, Neosexualitaeten, S. 220)


Fellinis Gebot, ein “guter Film” sollte nicht auf Autonomie eines Kunstwerks abzielen, sondern “Irrtuemer in sich bergen wie das Leben, wie die Menschen”.
(Nach Siegfried Kracauer, Theorie des Films, S. 391. Bachmann, “Frederico Fellini: An Interview”, in Hughes, ed., Film: Book I, S.103)

Ohne die Ebene des Kulturellen zu hypostasieren, kann vermutet werden, dass sich die spezifischen Geschlecherverhaeltnisse aufs Ganze gesehen auch im Hinblick auf kulturelle Unterschiede jeweils anders gestalten. Ueberhaupt muss gemaess der Wert-Abspaltungstheorie auch in dieser Hinsicht die Spannung zwischen Allgemeinem und Besonderem ausgehalten werden. Das heisst, ein derartiges Totalitaetsverstaendnis kann nicht einfach “von oben” her verfahren, sondern muss den besonderen Gegenstand trotz notwendiger begrifflicher Verallgemeinerung beruecksichtigen. Das geht sogar so weit, dass ein solches Verstaendnis auch bereit ist, sich um der Besonderheiten willen, wenn diese gewissermassen staerker ins Gewicht fallen als das Allgemeine, sogar auf der Ebene der Basiskategorien selbst zurueckzunehmen; im Gegensatz etwa zu Adorno, fuer den trotz “methodologisch” aehnlicher Annahmen der Tausch dennoch einen ontologischen Charakter besitzt. Diese Selbstrelativierung und sogar Zuruecknahme im Sinne eines nicht-identitaetslogischen Denkens gilt fuer die Wert-Abspaltungstheorie, wie gezeigt wurde, selbst dann noch, wenn sie auf die (gross-)begriffliche Allgemeinheit der Wert-Abspaltung als Basisprinzip pocht. (S.28f)

(…)

Schon auf der Ebene der grundsaetzlichen Theoriebildung muss sich also die Theoretikerin ihrer Mitbeteilung und Mitverantwortung an den rassistischen und antisemitischen Gesellschaftsverhaeltnissen bewusst sein, muss sie versuchen, daraus Konsequenzen zu ziehen und entsprechende Ausblendungen zu vermeiden. (S.32) (Roswitha Scholz, Differenzen der Krise – Krise der Differenzen)

The Dick Cavett Show.

Die letzten Tage bzw. Wochen habe ich zum Grossteil in 2 Gegenden gefristet: Lesen/Studieren & Pokern. Neben dem allwoechentlichen Kneipenevent habe ich fast taeglich Online gepokert. Die Traeume des kleinen Mannes. Traum No.1: Vom Tellerwaescher zum Millionaer aka mit minimalen Einsatz (um genau zu sein gar kein Einsatz, da ich nur mit der Promotion diverser Anbieter spiele) das grosse Geld machen. Traum No.2 (welcher auch eine Abstufung/Relativierung/Realisierung des ersten Phantasmas darstellt): Jeden Tag stundenlang zu Hause vorm Rechner sitzen ist nicht wirklich Arbeit aka wenn schon Arbeiten, dann FREI & UNABHAENGIG. Der Eindruck, ich koenne vom Kartenspiel leben, der waere ein falscher.
Die 2. Gegend, Lesen/Studieren, laesst sich grob in 3 Bloecke aufbrechen: Pokertheorie, Medientheorie, Gilles Deleuze. Mr. Deleuze ist dabei nach wie vor mein Haupt-Forschungsobjekt, und im Moment besonders die beiden Kinobuecher. Filme habe ich in der Zeit, bis auf ein paar belanglose, ueberhaupt nicht gesehen und so verstaerkte das Lesen ueber Epstein, Sternberg, Vertov, Eisenstein etc. meine Lust darauf endlich wieder ein paar gute (und in dem Fall auch aeltere: KLASSIKER!) Filme zu sehen. Dazu kommt noch, dass ich mir die Top 250 Filme von Imdb.com angesehen und die herausgesucht habe, die ich noch nicht gesehen und fuer interessant erachtete. Unglaublich, was sich da auch fuer ein Muell finden laesst, u.a. auch 2 deutsche Produktionen mit Der Untergang und Das Boot. Zu denen, die ich noch nicht bzw. schon sehr lang nicht mehr gesehen hatte, zaehlen auch All About Eve und Mr. Smith Goes To Washington. Die beiden wollte ich dann auch sehen, aber leider gab es Probleme bei der Wiedergabe des Tons, da ich aber unbedingt etwas ueber den Beamer (und nicht ueber das Notebook) sehen wollte, habe ich dann eine Folge der Dick Cavett Show gesehen. Ist auch die einzige Episode, die ich von der Show bisher kenne und von Dick Cavett hatte ich vorher auch noch nie etwas gehoert. Auf den ersten Blick scheint er ein weiteres Vorbild, aus den spaeten 6oern/fruehen 70ern, von Harald Schmidt zu Sat1-Zeiten zu sein: ziemlich aufgedreht, voll lustig und total schlagfertig. Ja, es waren die Gaeste, Frank Capra, Mel Brooks, Robert Altman und Peter Bogdanovich. Die Show dauert etwa eine Stunde und natuerlich wurde nicht besonders eingehend ueber Sachen gesprochen, dafuer war das Format der Sendung auch sicher nicht konzipiert. Trotzdem war es sehr nett, all diese Haudegen und kleinen Helden von mir in einer Sendung zu sehen. Viele kleinen Geschichten aus H-O-L-L-Y-W-O-O-D, besonders old hand Frank Capra bekommt da Redezeit und die Jungspunde hoeren gespannt oder zumindest gefasst zu. Mel Brooks macht das, was er am Besten kann, er mimt den Clown und der Moderator geht auf den Spass ein und laesst sich, in der Gewissheit, dass ihn sein Publikum liebt und auch darum weiss, dass er ganz anders koennte, wenn er nur wollte, gern ein wenig von ihm auf die Schippe nehmen. Ist schon sehr schoen die Macher einiger meiner Lieblingsfilme zu erleben. Bogdanovich, von dem ich besonders What’s Up, Doc? und The Last Picture Show mag, versucht mit seinem Wissen ueber Orson Welles ein wenig ernst in die ganze Geschichte zu bringen. Es bleibt aber ein nettes Kaffeekraenzchen
Gestern habe ich gesehen, dass es auch noch Episoden mit anderen interessanten Gaesten (Robert Mitchum, John Cassavetes, Alfred Hitchcock) gibt – die werde ich mir wohl auch noch ansehen.
Einen Klassiker habe ich danach dann auch noch am TV-Geraet angesehen, Der Blaue Engel vom Anti-Expressionisten Sternberg, dem Deleuze auch ein paar Seiten gewidmet hat: “Nicht mehr der Kampf des Lichts mit der Finsternis, sondern das Abenteuer des Lichts mit dem Weiss: das ist der Anti-Expressionismus Sternbergs”.



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