Badlands.

Little did I realize that what began in the alleys and backways of this quiet town would end in the Badlands of Montana.

Christian Petzold & Nina Hoss.

Noch ein kurzer Vermerk:

Ich bin jetzt Fan von Christian Petzold & Ninna Hoss! Die Innere Sicherheit hatte ich mal vor Jahren gesehen und habe den als einen typisch dt. Film in Erinnerung, gedreht von einem jungen, wilden Regisseur, der auch zeigen muss wie nah er am Puls der Zeit ist und der sich auch traut heisse Eisen anzufassen. Uebrigens ganz aehnlich meiner Wertung der Filme, die unter diesem diffusen Banner Berliner Schule firmieren. Teilweise sind das wirklich Vorurteile einer Schule gegenueber, die, zumindest kommt es mir es so, sich nicht durch bestimte Charakteristika verstehen laesst und auch nicht wirklich sicher auszumachen ist, wer da nun dazu gehoert. Auf der anderen Seite kenne ich auch einige der Filme und da ist es schon oft so wie bei Die Innere Sicherheit, es wird sich kompromisslos gegeben, aktuelle Probleme unserer Gesellschaft aufgegriffen und viel zu oft endet es in filmischen Phrasen, die auch nur zeigen, was gerade En Vogue ist.
Von Petzold habe ich bisher Gespenster, Yella und Toter Mann gesehen (Die Innere Sicherheit werde ich dann in naher Zukunft noch einmal sichten). Alles 3 wirklich gute, auch handwerklich gute, Filme, die weit ueber dem Durchschnitt liegen, von dem, was so aus Deutschland kommt. Alles Lob, das Nina Hoss im Zuge der Berlinale und auch jetzt im Rahmen des Kinostarts fuer ihr Spiel in Yella bekommen hat ist absolut gerechtfertigt!
Georg Seeßlen sagt: Yella ist ziemlich sicher etwas, das man altmodisch ein Meisterwerk nennen darf. Es bleiben zu wuenschen, dass Nina Hoss & Christian Petzold noch haeufig zusammen arbeiten werden.

Yella.
Noch ein guter Artikel zu Yella: hier.

Assoziatives zum Wochenende.

Angeregt durch diesen zufaellig gefundenen Blogeintrag sind mir einige interessante Stellen in Buechern von Jean Améry, Volkmar Sigusch und Roswitha Scholz zu Theorie & Widerspruch eingefallen. So wie Luhmanns Zettelkasten u.a. auch nach dem Prinzip Zufall funktionierte, ist das hier alles sehr assoziativ.

Ich habe keine Begabung zur Systematik und wahrscheinlich auch wenig Achtung vor ihr: man kann, ich habe es oftmals in der Geistesgeschichte beobachtet, Strukturen errichten und die Wirklichkeit ihnen einpassen – so enstehen gewaltige, aber manchmal gewalttaetige Begriffsgebaeude. Die Ergebnisse stehen zumeist in keinem Verhaeltnis zur Anstrengung der Abstraktion. Dergleichen konnte meine Sache nicht sein, ich war ja und bin allerwegen der eigenen Idee viel zu wenig gewiss, als dass ich sie mit Aplomb methodisch wuerde ausarbeiten koennen wollen. Kaum ist ein Gedanke gefasst, stellt auch schon der Widerspruch sich ein, den ich nicht ersticke, sondern, im Gegenteil, hege, so lange bis er mir die erlangte Idee umgebracht hat. (Jean Améry, Lefeu, S.174)

Jedes geschlossene theoretische Corpus tendiert zum Terror. (Volkmar Sigusch, Neosexualitaeten, S. 220)


Fellinis Gebot, ein “guter Film” sollte nicht auf Autonomie eines Kunstwerks abzielen, sondern “Irrtuemer in sich bergen wie das Leben, wie die Menschen”.
(Nach Siegfried Kracauer, Theorie des Films, S. 391. Bachmann, “Frederico Fellini: An Interview”, in Hughes, ed., Film: Book I, S.103)

Ohne die Ebene des Kulturellen zu hypostasieren, kann vermutet werden, dass sich die spezifischen Geschlecherverhaeltnisse aufs Ganze gesehen auch im Hinblick auf kulturelle Unterschiede jeweils anders gestalten. Ueberhaupt muss gemaess der Wert-Abspaltungstheorie auch in dieser Hinsicht die Spannung zwischen Allgemeinem und Besonderem ausgehalten werden. Das heisst, ein derartiges Totalitaetsverstaendnis kann nicht einfach “von oben” her verfahren, sondern muss den besonderen Gegenstand trotz notwendiger begrifflicher Verallgemeinerung beruecksichtigen. Das geht sogar so weit, dass ein solches Verstaendnis auch bereit ist, sich um der Besonderheiten willen, wenn diese gewissermassen staerker ins Gewicht fallen als das Allgemeine, sogar auf der Ebene der Basiskategorien selbst zurueckzunehmen; im Gegensatz etwa zu Adorno, fuer den trotz “methodologisch” aehnlicher Annahmen der Tausch dennoch einen ontologischen Charakter besitzt. Diese Selbstrelativierung und sogar Zuruecknahme im Sinne eines nicht-identitaetslogischen Denkens gilt fuer die Wert-Abspaltungstheorie, wie gezeigt wurde, selbst dann noch, wenn sie auf die (gross-)begriffliche Allgemeinheit der Wert-Abspaltung als Basisprinzip pocht. (S.28f)

(…)

Schon auf der Ebene der grundsaetzlichen Theoriebildung muss sich also die Theoretikerin ihrer Mitbeteilung und Mitverantwortung an den rassistischen und antisemitischen Gesellschaftsverhaeltnissen bewusst sein, muss sie versuchen, daraus Konsequenzen zu ziehen und entsprechende Ausblendungen zu vermeiden. (S.32) (Roswitha Scholz, Differenzen der Krise – Krise der Differenzen)

The Dick Cavett Show.

Die letzten Tage bzw. Wochen habe ich zum Grossteil in 2 Gegenden gefristet: Lesen/Studieren & Pokern. Neben dem allwoechentlichen Kneipenevent habe ich fast taeglich Online gepokert. Die Traeume des kleinen Mannes. Traum No.1: Vom Tellerwaescher zum Millionaer aka mit minimalen Einsatz (um genau zu sein gar kein Einsatz, da ich nur mit der Promotion diverser Anbieter spiele) das grosse Geld machen. Traum No.2 (welcher auch eine Abstufung/Relativierung/Realisierung des ersten Phantasmas darstellt): Jeden Tag stundenlang zu Hause vorm Rechner sitzen ist nicht wirklich Arbeit aka wenn schon Arbeiten, dann FREI & UNABHAENGIG. Der Eindruck, ich koenne vom Kartenspiel leben, der waere ein falscher.
Die 2. Gegend, Lesen/Studieren, laesst sich grob in 3 Bloecke aufbrechen: Pokertheorie, Medientheorie, Gilles Deleuze. Mr. Deleuze ist dabei nach wie vor mein Haupt-Forschungsobjekt, und im Moment besonders die beiden Kinobuecher. Filme habe ich in der Zeit, bis auf ein paar belanglose, ueberhaupt nicht gesehen und so verstaerkte das Lesen ueber Epstein, Sternberg, Vertov, Eisenstein etc. meine Lust darauf endlich wieder ein paar gute (und in dem Fall auch aeltere: KLASSIKER!) Filme zu sehen. Dazu kommt noch, dass ich mir die Top 250 Filme von Imdb.com angesehen und die herausgesucht habe, die ich noch nicht gesehen und fuer interessant erachtete. Unglaublich, was sich da auch fuer ein Muell finden laesst, u.a. auch 2 deutsche Produktionen mit Der Untergang und Das Boot. Zu denen, die ich noch nicht bzw. schon sehr lang nicht mehr gesehen hatte, zaehlen auch All About Eve und Mr. Smith Goes To Washington. Die beiden wollte ich dann auch sehen, aber leider gab es Probleme bei der Wiedergabe des Tons, da ich aber unbedingt etwas ueber den Beamer (und nicht ueber das Notebook) sehen wollte, habe ich dann eine Folge der Dick Cavett Show gesehen. Ist auch die einzige Episode, die ich von der Show bisher kenne und von Dick Cavett hatte ich vorher auch noch nie etwas gehoert. Auf den ersten Blick scheint er ein weiteres Vorbild, aus den spaeten 6oern/fruehen 70ern, von Harald Schmidt zu Sat1-Zeiten zu sein: ziemlich aufgedreht, voll lustig und total schlagfertig. Ja, es waren die Gaeste, Frank Capra, Mel Brooks, Robert Altman und Peter Bogdanovich. Die Show dauert etwa eine Stunde und natuerlich wurde nicht besonders eingehend ueber Sachen gesprochen, dafuer war das Format der Sendung auch sicher nicht konzipiert. Trotzdem war es sehr nett, all diese Haudegen und kleinen Helden von mir in einer Sendung zu sehen. Viele kleinen Geschichten aus H-O-L-L-Y-W-O-O-D, besonders old hand Frank Capra bekommt da Redezeit und die Jungspunde hoeren gespannt oder zumindest gefasst zu. Mel Brooks macht das, was er am Besten kann, er mimt den Clown und der Moderator geht auf den Spass ein und laesst sich, in der Gewissheit, dass ihn sein Publikum liebt und auch darum weiss, dass er ganz anders koennte, wenn er nur wollte, gern ein wenig von ihm auf die Schippe nehmen. Ist schon sehr schoen die Macher einiger meiner Lieblingsfilme zu erleben. Bogdanovich, von dem ich besonders What’s Up, Doc? und The Last Picture Show mag, versucht mit seinem Wissen ueber Orson Welles ein wenig ernst in die ganze Geschichte zu bringen. Es bleibt aber ein nettes Kaffeekraenzchen
Gestern habe ich gesehen, dass es auch noch Episoden mit anderen interessanten Gaesten (Robert Mitchum, John Cassavetes, Alfred Hitchcock) gibt – die werde ich mir wohl auch noch ansehen.
Einen Klassiker habe ich danach dann auch noch am TV-Geraet angesehen, Der Blaue Engel vom Anti-Expressionisten Sternberg, dem Deleuze auch ein paar Seiten gewidmet hat: “Nicht mehr der Kampf des Lichts mit der Finsternis, sondern das Abenteuer des Lichts mit dem Weiss: das ist der Anti-Expressionismus Sternbergs”.


Schloendorff, Volker

I just love Toerleß by Robert Musil. Together with Richlers Duddy Kravitz and Stephen Dedalus by Mr. Joyce this forms the triumvirate of youth in literature (i‘m givin‘ lectures right now! – It’s almost mandatory to know and worship these books!). And then i came across Volker Schloendorff (yep, the dumbass who did „Strajk“ and calls Angela Merkel a friend; the only thing of interest is his debate with Constantin about TV and film) and his adaption of the book by Musil. You know, i‘ve a copy of this flick for quite a while now and i always hesitated watching it not ‚cos i think the film might just ruin this great piece of literature, no no, it’s the main actor MATHIEU CARRIÈRE – a perfect example of germanies leading role in spitting out some of the worst actors in the history of cinema (we‘re talking about big shots like Franka Potente, Moritz Bleibtreu and Til Schweiger as well as the new breed with representitives like Daniel Bruehl & August Diehl). But i had hopes, hope Carrière might had his full scale of stupidity not reached at this time (he was young, very young, only 16!). But no chance, he already was the smugly piece of wannabe actor he is today – incredibly bad! But not just him! I/We made it only half through and the actors were fucking bad, the story and everything was shrinked without adding anything, perfect example of a bad adaption! You can‘t just go and take some astonishing material turning it into a movie and proclaim it as a piece of art as well, you gotta do something on your own and i don‘t mean shrinking a brilliant book to a 90 minutes amusement and say it’s art as well. This is shit and you‘ve never been Kluge nor Fassbinder, you‘re the friend of Angela Merkel and that’s pretty much it.