The Dick Cavett Show.

Die letzten Tage bzw. Wochen habe ich zum Grossteil in 2 Gegenden gefristet: Lesen/Studieren & Pokern. Neben dem allwoechentlichen Kneipenevent habe ich fast taeglich Online gepokert. Die Traeume des kleinen Mannes. Traum No.1: Vom Tellerwaescher zum Millionaer aka mit minimalen Einsatz (um genau zu sein gar kein Einsatz, da ich nur mit der Promotion diverser Anbieter spiele) das grosse Geld machen. Traum No.2 (welcher auch eine Abstufung/Relativierung/Realisierung des ersten Phantasmas darstellt): Jeden Tag stundenlang zu Hause vorm Rechner sitzen ist nicht wirklich Arbeit aka wenn schon Arbeiten, dann FREI & UNABHAENGIG. Der Eindruck, ich koenne vom Kartenspiel leben, der waere ein falscher.
Die 2. Gegend, Lesen/Studieren, laesst sich grob in 3 Bloecke aufbrechen: Pokertheorie, Medientheorie, Gilles Deleuze. Mr. Deleuze ist dabei nach wie vor mein Haupt-Forschungsobjekt, und im Moment besonders die beiden Kinobuecher. Filme habe ich in der Zeit, bis auf ein paar belanglose, ueberhaupt nicht gesehen und so verstaerkte das Lesen ueber Epstein, Sternberg, Vertov, Eisenstein etc. meine Lust darauf endlich wieder ein paar gute (und in dem Fall auch aeltere: KLASSIKER!) Filme zu sehen. Dazu kommt noch, dass ich mir die Top 250 Filme von Imdb.com angesehen und die herausgesucht habe, die ich noch nicht gesehen und fuer interessant erachtete. Unglaublich, was sich da auch fuer ein Muell finden laesst, u.a. auch 2 deutsche Produktionen mit Der Untergang und Das Boot. Zu denen, die ich noch nicht bzw. schon sehr lang nicht mehr gesehen hatte, zaehlen auch All About Eve und Mr. Smith Goes To Washington. Die beiden wollte ich dann auch sehen, aber leider gab es Probleme bei der Wiedergabe des Tons, da ich aber unbedingt etwas ueber den Beamer (und nicht ueber das Notebook) sehen wollte, habe ich dann eine Folge der Dick Cavett Show gesehen. Ist auch die einzige Episode, die ich von der Show bisher kenne und von Dick Cavett hatte ich vorher auch noch nie etwas gehoert. Auf den ersten Blick scheint er ein weiteres Vorbild, aus den spaeten 6oern/fruehen 70ern, von Harald Schmidt zu Sat1-Zeiten zu sein: ziemlich aufgedreht, voll lustig und total schlagfertig. Ja, es waren die Gaeste, Frank Capra, Mel Brooks, Robert Altman und Peter Bogdanovich. Die Show dauert etwa eine Stunde und natuerlich wurde nicht besonders eingehend ueber Sachen gesprochen, dafuer war das Format der Sendung auch sicher nicht konzipiert. Trotzdem war es sehr nett, all diese Haudegen und kleinen Helden von mir in einer Sendung zu sehen. Viele kleinen Geschichten aus H-O-L-L-Y-W-O-O-D, besonders old hand Frank Capra bekommt da Redezeit und die Jungspunde hoeren gespannt oder zumindest gefasst zu. Mel Brooks macht das, was er am Besten kann, er mimt den Clown und der Moderator geht auf den Spass ein und laesst sich, in der Gewissheit, dass ihn sein Publikum liebt und auch darum weiss, dass er ganz anders koennte, wenn er nur wollte, gern ein wenig von ihm auf die Schippe nehmen. Ist schon sehr schoen die Macher einiger meiner Lieblingsfilme zu erleben. Bogdanovich, von dem ich besonders What’s Up, Doc? und The Last Picture Show mag, versucht mit seinem Wissen ueber Orson Welles ein wenig ernst in die ganze Geschichte zu bringen. Es bleibt aber ein nettes Kaffeekraenzchen
Gestern habe ich gesehen, dass es auch noch Episoden mit anderen interessanten Gaesten (Robert Mitchum, John Cassavetes, Alfred Hitchcock) gibt – die werde ich mir wohl auch noch ansehen.
Einen Klassiker habe ich danach dann auch noch am TV-Geraet angesehen, Der Blaue Engel vom Anti-Expressionisten Sternberg, dem Deleuze auch ein paar Seiten gewidmet hat: “Nicht mehr der Kampf des Lichts mit der Finsternis, sondern das Abenteuer des Lichts mit dem Weiss: das ist der Anti-Expressionismus Sternbergs”.


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